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Coco Chanel

Coco Chanel (* 19. August 1883 in Saumur; † 10. Januar 1971 in Paris; eigentlich Gabrielle Bonheur Chasnel) war eine der bekanntesten französischen Modeschöpferinnen des 20. Jahrhunderts und die Begründerin des Chanel-Modeimperiums.

Leben

Coco Chanel selbst brachte über ihre Kindheit und Jugend immer wieder beschönigte Versionen in Umlauf. Es scheint jedoch gesichert, dass sie als zweite uneheliche Tochter des Hausierers Albert Chanel und seiner Geliebten Jeanne Devolle in Saumur an der Loire (Auvergne) das Licht der Welt erblickte. 1884 heirateten ihre Eltern. Sie hatte fünf Geschwister: zwei Schwestern, Julia (geb. 1882) und Antoinette (geb. 1887) und drei Brüder, Alphonse (geb. 1885), Lucien (geb. 1889) und Augustin (geb. 1891), der nach wenigen Monaten verstarb. Am 16. Februar 1895, Gabrielle war 11 Jahre alt, starb ihre Mutter und die junge Gabrielle verbrachte 7 Jahre im Waisenhaus des katholischen Klosters von Aubazine, wo sie den Beruf der Näherin lernte. Danach erhielt Coco zwei Jahre im Pensionat "Notre-Dame" der Stiftsdamen von Saint Augustin in Moulins am Allier Unterricht. Mit 20 Jahren arbeitete sie als Angestellte in einem Aussteuer- und Babyartikelgeschäft und nahm auch privat Schneideraufträge an.

In dieser Zeit trat Gabrielle Chanel als Sängerin im "Rotonde" in Moulins auf, wo sie vor allem zwei Chansons vortrug: "Qui qu’a vu Çoco dans l’ Trocadéro?" und "Ko Ko Ri Ko". Es wird vermutet, dass ihr Spitzname "Coco" aus dieser Zeit stammt, da das Publikum, vor allem die Offiziere des Jägerregiments von Moulins, sie wegen der beiden Lieder "Coco" riefen. 1904 lernte sie den Pariser Industriellensohn Etienne Balsan (1880–1953) kennen, der sie in die Gesellschaft einführte und mit dem sie von 1906 bis 1910 in Royallieu zusammenlebte. Mit seiner finanziellen Hilfe und in seiner Wohnung eröffnete sie 1910 in Paris ein Hutatelier.

Mit einer Bürgschaft und einem Kredit ihres nächsten Geliebten, des britischen Bergwerksbesitzers Arthur ("Boy") Capel (gest. 1919) eröffnete sie 1911 in Paris ihr erstes Modehaus und 1913 im Seebad Deauville eine Boutique. 1915 besaß sie Modesalons in Paris und Biarritz, entwarf schlichte, locker umspielende Kleider aus Baumwolljersey und kreierte damit eine neue Mode mit klaren Linien statt der bisher üblichen Verzierungen. 1916 beschäftigte sie 300 Näherinnen, konnte ihre Schulden bei Capel begleichen und ihre Unabhängigkeit sicherstellen. Im gleichen Jahr erklärte die amerikanische Vogue Chanels Mode zur "Inbegriff der Eleganz". Ihre Mode unterschied sich durch ihre Zurückhaltung deutlich von der ihrer Konkurrenten. Chanel bezeichnete Paul Poirets Mode als "barbarisch".

Ihr Geschäft wuchs schnell. Als ihr Betrieb 1936 bestreikt wurde, hatte sie 4000 Angestellte.

Als Stern am Pariser Modehimmel ihrer Zeit zählte sie viele berühmte Künstlerinnen und Künstler zu ihren Freunden, darunter: Jean Cocteau, Sergej Diaghilew, Igor Strawinsky, Pablo Picasso, Colette, Max Jacob und Misia Sert. Sie soll zahlreiche Liebschaften gehabt haben, darunter 1921 eine kurze Affäre mit Igor Strawinsky und 1921/1922 eine Liaison mit Großfürst Dmitri Pawlowitsch Romanow, dem Neffen des Zaren. 1922-1924 war der Dichter Pierre Reverdy ihr Begleiter und von 1924 bis 1930 war sie mit Hugh Richard Arthur Grosvenor, dem Herzog von Westminister (1879–1953) liiert. 1932 begann sie eine Beziehung mit Paul Iribe, der 1935 an Herzversagen starb.

In der Zeit des Nationalsozialismus begegnete sie in ihrem damaligen Wohnsitz, dem Hotel Ritz in Paris, Hans Günther von Dincklage (geb. 1896), Sonderbeauftragter des Reichspropagandaministeriums in Frankreich, der ihr Liebhaber wurde und mit dem sie Operation "Modellhut" einfädelte, bei der sie Winston Churchill zu Gesprächen mit den Deutschen über ein Kriegsende überreden sollte. Die Aktion scheiterte an einer Lungenentzündung von Churchill. Nach Ende des 2. Weltkrieges wurde sie als Kollaborateurin verhaftet und lebte anschließend im Schweizer Exil.

Wieder nach Paris zurückgekehrt, arbeitete Coco Chanel an ihrem Comeback. Einige Quellen vermuten, dass der inzwischen moderne "New Look" von Christian Dior, den sie als Rückfall in die Zeit des Korsetts betrachtet haben soll, ihre Motivation gewesen sei. Im Februar 1954 eröffnete sie nach 15 Jahren Pause - inzwischen 71-jährig - ihr Geschäft mit einer neuen Kollektion, die von der Presse höhnisch kommentiert wurde. Nachdem das "Life"-Magazin ein Jahr später die Eleganz ihrer Wollkostüme gewürdigt hatte, begann der Siegeszug des Chanel-Kostüms.

Am 10. Januar 1971 - während der Vorbereitung auf die nächste Kollektion - starb Coco Chanel im Alter von 87 jahren in ihrer nie aufgegebenen Suite im Pariser Hotel Ritz. Die Trauerfeier fand in der Pariser Madelaine-Kirche statt, der Sarg wurde nach dem Gottesdienst ins schweizerische Lausanne überführt. Sie hat trotz ihrer vielen Männerbeziehungen nie geheiratet.

Coco Chanel hat einer Generation von Frauen nicht nur Kleider hinterlassen - sondern auch gute Ratschläge fürs Leben. "Heiraten Sie niemals einen Mann, der eine Börse fürs Kleingeld besitzt!" Oder: "Wenn man ohne Flügel geboren wurde, darf man sie nicht am Wachsen hindern."



Werk

Coco Chanel schaffte nicht nur das Korsett ab, sondern erfand auch das kleine Schwarze, den Modeschmuck, kürzte die Röcke auf eine (damals) skandalöse Länge knapp unterhalb des Knies und entwarf neuartige gestrickte Badeanzüge mit Bewegungsfreiheit, die auf Oberschenkellänge endeten und unter denen Shorts hervorblickten. Sie verwendete erstmals körperbetonende Jerseystoffe für eine sportlichere Linie. Das berühmte Chanel-Kostüm aus Tweedstoff avancierte für Geschäftsfrauen weltweit zum Standard. Das Kostüm war oft mit schwarzem Besatz und Goldknöpfen verziert und wurde gerne mit langen Perlenketten getragen. Weitere Beiträge zur Damenmode: Hosen für Frauen, Strickensembles (Twinset), Schuhe mit Fersenriemen (Slingpumps oder auch Slingbacks genannt), gesteppte Handtaschen und die Etablierung auffälligen Modeschmucks statt echtem Schmuck. Ihre bevorzugten Farben: Schwarz, Weiß und Beige. 1921 kreierte sie das erste Parfüm aus synthetischen Komponenten (Chanel No. 5). Wie keine andere Modeschöpferin prägte Coco Chanel die Mode des 20. Jahrhunderts und hatte einen erheblichen Anteil an der Entwicklung von Paris als Modezentrum der Welt. Markenzeichen der Firma Chanel ist das verschränkte Doppel-C.


Das Modehaus Chanel nach Coco Chanels Tod

Nach ihrem Tod konnte das Modehaus Chanel nicht an die Erfolge anknüpfen, die es unter Coco Chanels Leitung hatte. Es geriet in den Ruf, Mode für reiche, ältere Damen zu kreieren. Das änderte sich erst 1983, als Karl Lagerfeld begann, für Chanel Mode zu entwerfen und das Haus zu seinem früheren Ruhm zurückzuführen.