Hochzeit: Ehe PDF

Begriffsbestimmung

Die Ethnologie bezeichnet mit Ehe herkömmlich eine institutionalisierte Wirtschafts- und Reproduktionsgemeinschaft zwischen zwei oder mehr Personen unterschiedlichen Geschlechts (nicht unbedingt gleichen Rechts), deren gemeinsame Kinder durch die Ehe legitim werden.

Die Partner einer Ehe können Ehefrau oder Frau, Braut (besonders am Hochzeitstag), umgangssprachlich "bessere Hälfte", altertümlich auch Gattin, Gemahlin oder Weib einerseits und Ehemann oder Mann, Bräutigam (besonders am Hochzeitstag), altertümlich auch Gatte oder Gemahl andererseits genannt werden.

Die Voraussetzung der Verschiedengeschlechtlichkeit ist jedoch in rechtlicher Hinsicht nicht mehr universell anerkannt; die Niederlande, Belgien, Kanada, Spanien oder Südafrika, aber auch Schweden, Dänemark, Island oder Norwegen (wenn auch unter anderer Bezeichnung) kennen sie nicht (mehr) oder nur noch eingeschränkt, in den USA gibt es – heftig umkämpfte – Bestrebungen in diese Richtung. In Artikel 143 der offiziellen deutschen Fassung des belgischen Zivilgesetzbuches heißt es nunmehr: „Zwei Personen verschiedenen oder gleichen Geschlechts können eine Ehe eingehen.“

Weiter gefasst umfasst eine Ehe immer eine Art öffentlich (oft religiös) anerkannten Vertrags sowie ökonomische Rechte und Pflichten zwischen den betroffenen Personen, die dieser Vertrag regelt. Die genaueren Modalitäten des Vertrages sowie seines Zustandekommens hängen in hohem Maße von der jeweiligen Kultur und Gesellschaft ab. In vielen, insbesondere patrilinearen Gesellschaften hat die Ehe auch die Funktion der Absicherung einer bestimmten legitimen Erblinie. In der modernen westlichen Welt bedingt eine Ehe die gesetzliche Verpflichtung zur gegenseitigen materiellen Versorgung.

Kurioses

In der Spanischen Sprache ist der Begriff für Ehefrauen und der Begriff für Handschellen identisch – las esposas. Klar, dass dieser Umstand ein beliebter Aufhänger für Witze ist.

Seit dem 19. Jahrhundert veranstalteten alternative Gruppierungen geradezu Gruppenehen, alle erwachsenen Mitglieder heirateten sich (siehe Oneida). In noch jüngerer Zeit, nämlich zusammen mit der Queer-Bewegung und der Bi-Bewegung entstand, beginnend in den USA und hier der Region um San Francisco, die Polyamory-Subkultur, für dauerhafte nichtmonogame und einvernehmliche Liebesbeziehungen zwischen mehreren Partnern. Womöglich unausdrückliche Angehörige dieser Subkultur gibt es heute wahrscheinlich in allen west- und südeuropäischen Ländern.